17. August 2020

Microsoft Dynamics 365 Business Central für Produktionsleiter

Microsoft Dynamics 365 Business Central Logo

In unserer Reihe „Microsoft Dynamics 365 Business Central – Für wen ist das?“ berichten wir, wie verschiedene Mitarbeiter eines Unternehmens von der Nutzung von Dynamics 365 Business Central profitieren können. In diesem Rahmen haben wir Ihnen bereits vorgestellt, wie Buchhalter, Geschäftsführer, Marketing Manager, Projektmanager und Vertriebsmanager ihre Aufgaben durch die cloudbasierte Managementlösung besser bewältigen können. Im heutigen Teil steht die Arbeit des Produktionsleiters und damit in erster Linie der Funktionsbereich Produktionsmanagement im Fokus.

Der Produktionsleiter profitiert vor allem dadurch, dass die Produktionsplanung transparent ist, flexibel auf neue Kundenanforderungen reagiert werden kann, Ressourcen optimal eingesetzt werden sowie Liefertermine verlässlich eingehalten werden können.

Doch wie sieht das konkret im Arbeitsalltag aus? Nachfolgend gehen wir auf bekannte Fragestellung und Aufgaben eines Produktionsleiters genauer ein und zeigen, wie diese in Dynamics 365 Business Central umgesetzt werden:

Wie plane ich den Produktionsprozess, sodass er reibungslos abläuft?

Produktionsleiter sind in erster Linie für Planungsprozesse verantwortlich. Microsoft Dynamics 365 Business Central nimmt Ihnen viel Arbeit über die KI-gestützte “Verkaufs- und Bestandsprognose” (Engl.: Sales and Inventory Forecast) ab (siehe Abbildung 1). Diese prognostiziert potenzielle Verkäufe anhand historischer Daten und gibt damit einen Überblick über den erwarteten Bedarf sowie erwartete Fehlbestände.

Verkaufs- und Bestandsprognose

Abbildung 1: Verkaufs- und Bestandsprognose auf einer Artikelkarte

Produktions- und Materialbedarfsplanung

Über die Funktion “Neuplanung berechnen” können die Produktions- und Materialbedarfe auf Basis des tatsächlichen und geplanten Bedarfs berechnet werden. Beide Schritte – Produktionsprogrammplanung und Nettobedarf – sind einzeln oder gleichzeitig berechenbar.

Materialbedarfsplanung/Nettobedarf
Bei der Materialbedarfsplanung wird der Materialbedarf auf Basis des tatsächlichen Bedarfs für Komponenten prognostiziert. Der Hauptzweck einer Nettobedarfsplanung besteht darin, terminierte formale Pläne je nach Artikeln aufzustellen, um den richtigen Artikel zur richtigen Zeit am richtigen Ort in der richtigen Menge bereitzustellen.

Produktionsprogrammplanung
Die Produktionsprogrammplanung ist die Berechnung eines Produktionsplans, der auf dem tatsächlichen Bedarf und der Absatzplanung basiert. Die Berechnung der Produktionsprogrammplanung wird für Endartikel mit einer Planung oder einer Verkaufsauftragszeile durchgeführt. Diese Artikel werden als „Produktionsprogrammplanungsartikel“ bezeichnet und werden als dynamisch gekennzeichnet, wenn die Berechnung gestartet wird.

Die visuelle Darstellung Ihrer Planung ist mit unterschiedlichsten Add-Ons erweiterbar. Mit dem Add-On orderbase TreeControl stellen Sie komplexe Stücklisten inklusive Komponenten und Abhängigkeiten in einer Baumstruktur dar. Die Add-Ons Netronic Visual Production Scheduler (siehe Abbildung 2) und orderbase MegaBoard (siehe Abbildung 3) stellen Ihre Fertigungsaufträge als übersichtliche Plantafel dar. Was die beiden Add-Ons unterscheidet, erkennen Sie in unserem Vergleich der beiden Anwendungen.

Gantt-Diagramm

Abbildung 2: Fertigungsauftragsansicht im Netronic Visual Production Scheduler

orderbase MegaBoard

Abbildung 3: Grafische Produktionsplanung mit dem orderbase MegaBoard

Abbildung einer Fremdfertigung
Ausgewählte Arbeitsgänge an Kreditoren weiter zu vergeben, ist in vielen Fertigungsunternehmen üblich. Eine Fremdfertigung wird in Dynamics 365 Business Central über spezielle Arbeitsplatzgruppen realisiert, welche zu Kreditoren zugewiesen sind. Daran erkennt die Software die Notwendigkeit einer Fremdarbeitsbestellung, welche durch den Fremdarbeitsvorschlag erstellt werden kann. Die Dienstleistungskosten können über diesen Weg auf den Einstandspreis der Fertigung aufgeschlagen werden.

Stücklisten
Mithilfe von Stücklisten (Produktions- oder Montagestücklisten) strukturieren Sie übergeordnete Produkte, die aus einzelnen Komponenten bestehen.

Fertigungsstückliste in Dynamics 365 Business Central

Abbildung 4: Fertigungsstückliste in Dynamics 365 Business Central

Konfiguration von Varianten
Mit unserem Add-On anaptis Configuration erstellen Sie ganz einfach Varianten mit individuellen Montagestücklisten. Damit wird der Umstand aufgehoben, dass im Standard zwar Varianten aber nicht unterschiedliche Montagestücklisten angelegt werden können.

Abbildung 5: Montagestückliste im Add-On anaptis Configuration

Wie erstelle ich einen Fertigungsauftrag?

In Dynamics 365 Business Central kann ein Fertigungsauftrag (kurz: FA) je nach Bearbeitungsstand einen unterschiedlichen Status haben (FA-Status). Es werden

  • simulierte Fertigungsaufträge
  • geplante Fertigungsaufträge
  • fest geplante Fertigungsaufträge
  • freigegebene Fertigungsaufträge und
  • beendete Fertigungsaufträge

unterschieden. Fertigungsaufträge können direkt aus Verkaufsaufträgen, aus der Produktionsplanung (Planungsvorschlag) oder der Auftragsplanung erstellt werden.

  • Simulierter Fertigungsauftrag

    Ein simulierter Fertigungsauftrag wird vorwiegend für die Auftragserstellung und Kalkulation genutzt. Man könnte sagen, dass es sich um ein Beispiel für einen Fertigungsauftrag handelt. Somit hat er auch keinen Auswirkungen auf die Planung von Aufträgen.

  • Geplanter Fertigungsauftrag

    Ein geplanter Fertigungsauftrag entspricht der besten Schätzung der zukünftigen Auslastung des Arbeitsplatzes oder der Arbeitsplatzgruppe auf Basis der verfügbaren Informationen. Er stellt zudem Informationen für die Kapazitätsplanung bereit, indem er die Kapazitätsanforderungen nach Arbeitsplatz oder Arbeitsplatzgruppe zeigt.

  • Fest geplanter Fertigungsauftrag

    Ein fest geplanter Fertigungsauftrag ist, wie der Name schon sagt, geplant und kann zeitnah freigegeben werden. Im Gegensatz zum simulierten und geplanten Fertigungsauftrag, wird er im Planungsvorschlag nicht gelöscht.

  • Freigegebener Fertigungsauftrag

    Wird der Status des Fertigungsauftrags auf “freigegeben” geändert, wird die Arbeit für den entsprechenden Auftrag begonnen. Der tatsächliche Materialverbrauch und die tatsächlichen Ist-Meldungen können mit einem freigegebenen Fertigungsauftrag erfasst werden. Außerdem kann das automatische Buchen von Verbrauch und Ist-Meldungen nur für freigegebene Fertigungsaufträge erfolgen.

  • Beendeter Fertigungsauftrag

    Ein beendeter Fertigungsauftrag ist üblicherweise ein Fertigungsauftrag, dessen Artikel in entsprechender Menge bereits gefertigt wurden. Das Beenden eines Fertigungsauftrages ist eine wichtige Aufgabe beim Abschließen der Gesamtkostenbewertung des Artikels, der gefertigt wird. Durch Beenden eines Fertigungsauftrages kann die Bewertung angepasst und abgestimmt werden.

    Beendete Fertigungsaufträge werden für die Erstellung von statistischen Berichten sowie als Unterstützung für die Möglichkeit verwendet, eine Rückverfolgung zu anderen Aufträgen (z. B. Verkaufsaufträge, Fertigungsaufträge und Einkaufsbestellungen) auszuführen. Die Möglichkeit, eine Rückverfolgung zu einem beendeten Fertigungsauftrag auszuführen, versetzt Sie in die Lage, die genaue Historie nachzuvollziehen. Ein beendeter Fertigungsauftrag kann nachträglich nicht mehr geändert werden.

Wie führe ich einen Fertigungsauftrag aus?

Sobald der Fertigungsauftrag erstellt und geplant ist, kann er für den Fertigungsbereich freigegeben werden und anschließend ausgeführt werden. Währenddessen werden die Materialien, die Arbeitszeit und die Menge des gefertigten Artikels erfasst.

Der Materialverbrauch kann dabei entweder manuell über das FA-Verbrauchs-Buch.-Blatt oder das Produktions-Buch.-Blatt erfasst werden. Neben der manuellen Methode können Sie auch die Vorwärts- oder Rückwärtsbuchung nutzen. Bei der Vorwärts- und Rückwärtsbuchung haben Sie zudem noch die Wahl, ob sie für den gesamten Auftrag oder pro Arbeitsschritt erfasst werden soll.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Materialbuchungen. Kleinteile, wie beispielsweise Schrauben, können so konfiguriert werden, dass Sie gemäß der geplanten Menge aus der Stückliste automatisch abgebucht werden. Andere Artikel erfordern ggf. eine Kommissionierung und sollen von dem Produktionsmitarbeiter manuell als Verbrauch erfasst werden. Nachträgliche Korrekturbuchungen sind ebenso möglich.

Fertigungsauftrag in Dynamics 365 Business Central erstellen

Abbildung 6: Geplanten Fertigungsauftrag in Dynamics 365 Business Central erstellen

Ist-Meldung
Die Ist-Meldung kann über das FA-Istmeldungs-Buch.-Blatt verarbeitet werden. Sie dient dazu, nachzuvollziehen, wie viel Zeit der Auftrag in Anspruch genommen hat und wie groß die produzierte Menge des gefertigten Artikels ist. Durch die Ist-Meldung können dann die Fertigungskosten genau bestimmt werden. 

Wie beim Materialverbrauch gibt es auch für Ist-Meldungen drei Methoden: manuell, vorwärts oder rückwärts.

Über das FA-Istmeldungs-Buch.-Blatt können Sie außerdem auch Ausschüsse und Stillstände buchen.

Buchblätter
Das Produktions Buch.-Blatt, das FA-Verbrauchs Buch.-Blatt und das bereits erwähnte FA-Istmeldungs Buch.-Blatt sind im Produktionsprozess elementar. Dabei ist das Produktions-Buch.-Blatt quasi eine Kombination aus den anderen beiden Buchblättern mit dem Zweck, an einer Stelle gleichzeitig den Verbrauch und die Ist-Meldungen eines Fertigungsauftrags erfassen zu können.

Wie überwache ich den Produktionsprozess bestmöglich?

Analyse und Minimierung von Fehlerquellen
Mit Dynamics 365 Business Central überwachen Sie Produktionsrückgänge oder Ausschüsse und können Ursachen leichter identifizieren, um langfristig Ausschüsse zu vermeiden.

Ausschüsse können Sie außerdem über das System eingeben und ausbuchen. Gleiches gilt übrigens auch für Stillstände.

Berichterstattung der Produktionskennzahlen
Reports zu wichtigen Produktionskennzahlen können Sie aufgrund der starken Reporting-Funktionalitäten von Dynamics 365 Business Central einfach gestalten und auf Wunsch timen, sodass beispielsweise Ihr Geschäftsführer jeden Montagmorgen um 8 Uhr einen entsprechenden Bericht erhält.

Bericht: Detaillierte Kalkulation

Abbildung 8: Bericht “Detaillierte Kalkulation”

Überwachung (Menge und Qualität)
Über Azure IoT ist es möglich, physische Gegenstände (z. B. Maschinen) und virtuelle Gegenstände (z. B. Dynamics 365 Business Central Cloud) zu vernetzen. Warum? Auf diese Art und Weise können Fehlerquellen (z. B. Maschinenausfälle, Überhitzung von Maschinen) proaktiv und vorausschauend minimiert werden. Dazu werden im großen Maße Daten gesammelt und analysiert.

Möchten Sie mehr über die Nutzung von Dynamics 365 Business Central erfahren? Wir beraten Sie gern.