28. Januar 2022

Universal Code Initiative – Cloud-ready oder Abstrafung

Microsoft Dynamics 365 Business Central Logo

Seit mehreren Jahren verfolgt Microsoft schon die “Cloud first”-Strategie und der Trend geht für viele Unternehmen bereits in die Cloud. Vor Kurzem hat Microsoft mit der “Universal Code Initiative” für Business Central die Richtung “Cloud only” eingeschlagen. Microsoft verfolgt die Vision, dass alle User mit Dynamics 365 Business Central Online (Cloud) arbeiten können und ihre erforderlichen Apps im Microsoft AppSource finden können. Damit zwingt Microsoft seine Partnerunternehmen, wie wir es sind, sowie Kundinnen und Kunden zur Standardisierung. Alle vorgenommenen Anpassungen, deren Code zum Stichtag nicht “cloud-ready” ist, erfordern eine zusätzliche kostenpflichtige Lizenzierung. Wenn Sie zu unserer Kundschaft zählen, haben Sie das Glück, dass wir das bereits seit Jahren leben und anstreben.

Was steckt hinter der Initiative? Welche Unternehmen sind davon betroffen? Mit welchen zusätzlichen Kosten ist zu rechnen? Was ist jetzt zu tun? Diese Ankündigung wirft eine Vielzahl an Fragen auf. Im Folgenden werden wir auf die am häufigsten gestellten Fragen eingehen und gemeinsam herausfinden, welche Konsequenzen die Universal Code Initiative für Sie hat.

1. Was steckt hinter der Universal Code Initiative für Dynamics 365 Business Central?

Wie eingangs erwähnt, setzt Microsoft bereits seit Längerem auf die “Cloud first”-Strategie. Die Universal Code Initiative ist der nächste große Schritt in Richtung “Cloud only”. Microsoft möchte allen Usern die Möglichkeit geben, Dynamics 365 Business Central Online (Cloud) zu nutzen und erreichen, dass alle dafür erforderlichen Apps bzw. Add-Ons im AppSource zu finden sind.

Technisch gesehen müssen alle Anpassungen (Add-Ons, kundenindividuelle Anpassungen und eigene Anpassungen), wie der Name der Initiative sagt,

  1. vom Dynamics 365 Business Central Standard isoliert sein (Szenario 1).
  2. in universellem Code geschrieben sein, der in der Cloud funktioniert (Szenario 2).

Im Umkehrschluss werden neue Lizenzmodelle für die zwei Szenarien eingeführt, wenn Anpassungen

  1. an der Base App vorgenommen werden und nicht als separate Extension vom Standard isoliert sind (Szenario 1 “Implemented Code is not in Extensions”).
  2. nur in einer On-Premise Instanz funktionieren und nicht im universellen Code geschrieben sind, der in der Cloud funktioniert (Szenario 2 “Implemented Code is not cloud-optimized”).

Dazu ist anzumerken, dass das Lizenzmodul “Implemented Code is not in Extensions” zusätzlich das Lizenzmodul “Implemented Code is not cloud-optimized” erfordert. Was das in der Praxis genau bedeutet, erklären wir in Frage 3 anhand eines Beispiels.

 

2. Wen betrifft die Universal Code Initiative für Dynamics 365 Business Central und ab wann gilt was?

Jahr 2022 (April)

Die Universal Code Initiative startet am 1. April 2022. Unternehmen mit einer Lizenzierung vor diesem Datum sind nicht betroffen und Kundinnen und Kunden mit einer Lizenzierung ab diesem Datum unterliegen den Universal Code Regeln.

Im Klartext sind alle Unternehmen, welche ab April 2022 eine Dynamics 365 Business Central Lizenz registrieren, betroffen. Zusammengefasst sind also folgende Unternehmen betroffen:

  • Neue Kundschaft durch einen Kauf
  • Bestandskundschaft durch ein Upgrade (Transition)
  • Lizenz-Verschmelzungen
  • Übergang von Lizenzen an neue Lizenznehmende (z. B. bei Unternehmenskauf)

Folgende Unternehmen sind im Gegensatz dazu nicht betroffen:

  • Bestandskundschaft, die nach wie vor Dynamics NAV nutzt (bis sie irgendwann ein Upgrade vornimmt)
  • Bestandskundschaft, die Dynamics 365 Business Central vor dem 1. April 2022 erworben hat bzw. erwirbt (auch nicht, wenn sie später ein Upgrade machen)

Jahr 2022 (4. Quartal)

Ab dem Q4 startet Microsoft mit der technischen Prüfung für die beiden Non-Universal Code Module. Ab diesem Zeitpunkt wird die Modulprüfung im Client bei Einsatz von Non-Universal Code aktiviert und es taucht eine Fehlermeldung auf.

Jahr 2023

Ab dem Jahr 2023 beginnt die Abrechnung für die betroffenen Instanzen.

 

3. Mit welchen zusätzlichen Kosten muss ich im Rahmen der Universal Code Initiative für Dynamics 365 Business Central rechnen?

Wenn Ihr System von den Änderungen betroffen ist (s. Frage 2) und Sie die Bedingungen mit Ihrem System nicht erfüllen (s. Frage 1), werden zusätzliche kostenpflichtige Lizenzierungen fällig. Aber Sie haben es gerade gelesen: Keine Panik! Auch wenn die Initiative ab dem 1. April 2022 offiziell startet, müssen Sie nicht direkt in die Tasche greifen. Mit der technischen Prüfung der Vorgaben startet Microsoft nach eigenen Angaben erst ab dem 4. Quartal 2022 und die Abrechnung folgt erst ab 2023.

Die Gebühren fallen pro Full User und pro Jahr an (Premium und Essentials). Außerdem sind sie gestaffelt und werden von Jahr zu Jahr höher:

Jahr Szenario 1: Implemented Code is not in Extensions Szenario 2: Implemented Code is not cloud-optimized
2022 $0/Jahr/Full User $0/Jahr/Full User
2023 $75/Jahr/Full User $0/Jahr/Full User
2024 $125/Jahr/Full User $75/Jahr/Full User
2025 $250/Jahr/Full User $175/Jahr/Full User
2026 Information ausstehend Information ausstehend

Noch einmal zur Erinnerung: Das erste Szenario “Implemented Code is not in Extensions” geht immer mit dem zweiten Szenario “Implemented Code is not cloud-optimized” einher. Dies ist der Fall, da eine Anpassung, die nicht in einer Extension ist, nicht cloud-optimiert ist. Das bedeutet, Sie müssen beide oben aufgelisteten Gebühren zahlen.

Hier ein Berechnungsbeispiel (Szenario 1) zum besseren Verständnis:

  • Jahr: 2024
  • Full User: 10
  • Szenario: Sie nutzen noch Code, welcher nicht in einer Extension ist.
  • Gebühren: 10 Full User * ($125 + $75) = $2.000

Andersherum kann das Szenario 2 unabhängig von Szenario 1 auftreten. Auch hier haben wir ein Berechnungsbeispiel (Szenario 2) für Sie:

  • Jahr: 2024
  • Full User: 10
  • Szenario: Ihr Code ist in einer Extension, aber noch nicht cloud-ready.
  • Gebühren: 10 Full User * $75 = $750

Skeptische Personen könnten argumentieren, dass Microsoft diese Initiative nur ins Leben gerufen hat, um Umsatz zu generieren. Das ist nicht der Fall. Es geht Microsoft viel mehr darum, Partnerunternehmen dazu zu motivieren, cloud-kompatible Lösungen zu entwickeln. Erfolgreich ist die Initiative also dann, wenn keine einzige Gebühr gezahlt werden muss. Schlussendlich gehen viele Vorteile damit einher, wenn der gesamte Code den Vorgaben von Microsoft entspricht:

  1. Die Lösung ist unabhängig von der Bereitstellungsform.
  2. Der Schritt in die Cloud ist deutlich einfacher.
  3. Innovationen sind leichter umzusetzen.
  4. Die Standardisierung des Systems rückt zurück in den Fokus.

 

4. Was muss ich jetzt tun?

Prüfen Sie zunächst, ob Sie von der Universal Code Initiative betroffen sind (s. Frage 2). Ist dies der Fall, sprechen Sie mit Ihrem betreuenden Partnerunternehmen darüber, wie die Anpassungen in Ihrem System cloud-ready werden.

Soweit nicht schon getan, werden wir alternative Lösungsmöglichkeiten finden, um beiden Szenarien aus dem Weg zu gehen. Sprechen Sie uns gerne an.